Die Geistergeschichten des Palacio de Linares in Madrid

Dienstag, Oktober 22, 2019
Veröffentlicht in : Architektonische Juwelen Geschichte Legende Museen & Galerien Sehenswürdigkeiten
Palacio de Linares
Diese Woche dreht es sich bei uns um alles, was gruselig und gespenstisch ist, denn wir denken über die Herbstferien und einen Urlaub um Hallowe’en nach. Wir haben uns bereits einen verwaisten und von Geistern heimgesuchten Friedhof in Zagreb, Kroatien, angeschaut und die Vampire von Santorini in Griechenland vorgestellt. Wenn Sie allerdings über eine Reise nach Spanien nachdenken, dann ist auch für Sie gesorgt, denn auch dieses Land kann mit übernatürlichen Geschichten und Geistern und Gespenstern prahlen. Wenn Sie eine Ferienunterkunft in Madrid buchen, dann können Sie z.B. den Palast des Linares (den Palacio de Linares) aus dem 19. Jahrhundert besuchen, der heute besser als Casa de América bekannt ist und angeblich aufgrund der schrecklichen Ereignisse, die innerhalb seiner vier Wände stattfanden, von Geistern heimgesucht ist.

Der Palast war einst das Familienheim der Linares Adelsfamilie und ist heute pan-hispanischen Filmen, Vorträgen und Ausstellungen als das Casa de América gewidmet. Als man 1990 mit den Bauarbeiten an dem Gebäude anfing, um es in eine kulturelle Mehrzweckfläche zu verwandeln, haben sich Gerüchte über Geister schnell verbreitet. Es wurde berichtet, dass man Fußtritte hören konnte, Türen sich öffneten und schlossen, Weinen und Schreie in dem angeblich leeren Palast gehört werden konnten. Die meisten dieser Vorfälle wurden in der Nähe des seltsamen, lebensgroßen Puppenhauses im Innenhof wahrgenommen, das Raimunda gehörte, einem kleinen Mädchen, das von Marqués und Marquesa de Linares adoptiert wurde. Die offiziellen Berichte und Dokumente besagen, dass sie ein glückliches zu Hause hatte, wobei lokale Legenden (die Forscher allerdings für unwahr erklären), die Geschichte etwas anders erzählen.
Laut der Legende war Raimunda die biologische Tochter des Marqués, der eine Beziehung mit einem Mädchen aus der bescheideneren Klasse hatte, die ihm eine Tochter schenkte. Sein Vater hatte versucht, die beiden auseinander zu reißen, indem er seinen Sohn nach England zur Schule schickte. Als sein Vater allerdings starb kam der Marqués nach Hause, heiratete das Mädchen und Raimunda wurde geboren. Bei den Bauarbeiten des Palastes fand er heraus, warum sein Vater so sehr gegen die Beziehung der beiden war: die Mutter seines Kindes, die ebenfalls Raimunda hieß, war seine Halbschwester, das Produkt einer Affäre zwischen seinem Vater und einer Frau, die in einer Tabakfabrik in Madrid arbeitete. Raimunda Junior war das Ergebnis dieser inzestuösen Beziehung und wurde deshalb mit Deformationen und verschiedenen Krankheiten geboren. Als das Paar die Wahrheit herausfand, entschlossen Sie sich dazu, das Kind zu töten und zu diesem Mord gibt es mehrere (und immer sensationsverdächtigere) Versionen, was die Durchführung dieser Tat angeht. Der Marqués hat angeblich auch sich selbst nach dem Tode seiner Schwester/Ehefrau im Palast getötet und wurde auf dem Gelände des Palastes zur Ruhe gelegt.

All das ist allerding lediglich eine lokale Legende, wobei einige der Behauptungen durch Dokumente und Beweise bereits widerlegt werden konnte: Raimunda Senior war nicht die Tochter einer Mitarbeiterin einer Tabakfabrik, das Paar hatte niemals eigene Kinder und hat Raimunda Junior adoptiert, es gibt keine Beweise dafür, dass sie verwandt waren und beide Elternteile wurden bei gut besuchten Beerdigungen auf Friedhöfen begraben, wodurch es also nicht möglich ist, dass der Marqués auf dem Palastgelände beerdigt wurde. D.h. keine dieser Horrorgeschichten sind wahr. Allerdings haben die ursprünglichen Störungen auf der Baustelle wilde Spekulationen angeregt, was dazu führte, dass solch makabre und phantasievolle Geschichten entstanden sind. Außerdem gibt es Aussagen zu schaurigen Ereignissen in dem Gebäude, die zu dem Glauben veranlasst haben, dass es von Geistern der ehemaligen Bewohner heimgesucht ist. Was auch immer der Wahrheit entspricht, der Palast ist ein wunderschönes Prachtstück voll mit wundervollen Kunstwerken. Bei einer Führung durch das Gebäude zu dieser Jahreszeit können Sie den Gruselgeschichten zuhören, während Sie den künstlerischen und kulturellen Reichtum dieser Stadt bewundern. Wenn Sie also eine Ferienunterkunft in Madrid gebucht haben und diese reizende Stadt in Spanien in den nächsten Wochen erkunden, dann nehmen Sie sich doch ein wenig Zeit für dieses kleine Juwel, das abseits des Massentourismus ist, aber ein Besuch sich ungemein lohnt!

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